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StudiVZ und die kritische Masse Dezember 18, 2007

Posted by savedfromsin in Uncategorized.
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Man muss die Damen und Herren bei StudiVZ Ltd. schon ein wenig bedauern: Facebook hat vorgemacht, was „bad practice“ ist. Der Wirbel um den Beacon hat Facebook einiges an Reputation gekostet. Und ausgerechnet jetzt kommen die Betreiber auf die Idee, die AGB zur Allgemeinen Marketing Bedingung umschreiben zu wollen. Kann man ruhig machen. Ist aber nicht unbedingt clever. Und dann ursprünglich eine Deadline von nicht einmal einem Monat zu setzen, um der AGB zuzustimmen, war ein strategischer wie kommunikativer Super-GAU. Ich frage mich, ob in der PR Abteilung von StudiVZ überhaupt jemand sitzt. Andererseits war das Netzwerk noch nie für seine  gute Krisenkommunikation bekannt. Schade eigentlich. Ich nutze das Netzwerk selbst regelmäßig und erachte die zahlreichen Funktionen (egal ob von Facebook oder LinkedIn abgekupfert oder nicht) durchaus als angenehmer Zeitvertreib (ob sie nützlich sind oder nicht ist wieder eine andere Frage).

Social Networks sind ein heißes Eisen. Die kritische Masse ist schnell erreicht, der „tipping point“ ist bei so großen Mitgliederzahlen vergleichsweise niedrig. Plattformfunktionen wie die Pinnwand sorgen für eine schnelle Verbreitung von Informationen. Betreibern ist das egal, bis sie einmal selbst die zu verbreitende Information darstellen. Bad news travels fast. Das ist Web 2.0: eine erhöhte Selbstreferentialität. Aber Web 2.0 ist noch etwas: Der Wechsel vom Konsumenten zum Produzenten. Und damit zu mehr Eigenständigkeit. Diese Eigenständigkeit kann man als Unternehmen nicht kontrollieren. Man kann aber dafür sorgen, dass die Angriffsfläche möglichst klein gehalten wird. StudiVZ hat seinen Mitgliedern den Fehdehandschuh hingeworfen. Und wie gerne haben wir ihn aufgenommen :-) . In einem Duell stellt man sich aber nicht frontal vor den Gegner.

Warum um alles in der Welt hat man keine Informationskampagne gestartet? Im Vorfeld untersucht, wie die Mitglieder einer solchen Plattform reagieren könnten? Warum so wenig Transparenz und so wenig Information? Die Betreiber seien ob der Reaktionsheftigkeit sehr überrascht gewesen, kann man hier und da lesen. Ich kann da nur den Kopf schütteln. Die Möglichkeiten, im Vorfeld bereits Pro und Kontra einer neuen AGB (vor allem in Hinblick auf die bereits hinreichend diskutierten kritischen Punkte) zu diskutieren, sind da. Sie wurden einfach nicht genutzt.

Liebe StudiVZ-Betreiber: ihr hättet euch eine Menge Ärger und bad publicity ersparen können. Eure einzige Rettungsmöglichkeit? ABSOLUTE TRANSPARENZ und INFORMATION. Und tut nicht nur immer so, als ob euch unsere Meinung interessieren würde. Tun wir doch! werdet ihr jetzt behaupten, wir haben doch total schnell die AGB umgeändert. Dahinter steckt ein systematischer Denkfehler: Erst reden und dann denken. Wer im Vorfeld selbst an der Ausarbeitung von etwas beteiligt ist, kritisiert weniger schnell das Ergebnis. Und nun mal ehrlich: wer von euch Marketingspezialisten kam auf die grandiose Idee mit der SMS-Werbung??? Ein wenig Verstand hätte genügt, um euch vom Holtz  Holzweg abzubringen.

Netzzeitung: StudiVZ und die Macht der User

SpOn: StudiVZ Datenschutz. Studenten demonstrieren gegen das SchnüffelVZ

Kommentare»

1. Malte Landwehr - Dezember 18, 2007

Ja, das war in Sachen Kommunikation wirklich keine Glanzleistung aber wie man an Facebook sieht muss der Erfolg nicht unter dem schlechten Ruf leiden.

2. Stephan - Dezember 18, 2007

Hallo Malte, stimmt, Facebook gehts immer noch gut ;-) . Dessen Betreiber haben aber auch sehr schnell gelernt: erst der Beacon, dann Opt-out und inzwischen meines Wissens sogar Opt-in. Bleibt abzuwarten, ob StudiVZ eine so steile Lernkurve besitzt…

3. Blogger gegen StalkerVZ? « StudiVZ = StalkerVZ? - Dezember 18, 2007

[...] User Positives über das Studierendenverzeichnis zu vermelden haben): A-B-C-D-E-F-G-H-I-J-K-L-M-N-O-P-Q-R-S-T-U-V-W-X-Y-Z . . . Das tut aber weh, woll? Mit ein Grund, warum Holtzbrinck kehrt marsch [...]

4. Karlo - Dezember 21, 2007

Das Ganze hat doch aber mittlerweile eine Eigendynamik entwickelt, die so schnell nicht mehr aufhören wird. Ich kann ja meine Daten beispielsweise recht knapp halten. Jetzt ist es aber so: Egal wo man ist, Party, Ausflug, weiß der Geier, es steht immer jemand mit ner Kamera rum und die Studivz-geile Masse wartet schon drauf, dass die Bilder ins Netz kommen. Dann wirst du verlinkt und auch wenn du die Links wieder löschst, geht der nächste hin und verlinkt dich wieder. Die Crux ist einfach, dass man zu viel von sich preisgibt (sein komplettes soziales Netzwerk eben), aber gleichzeitig Schwierigkeiten hat, jetzt zu sagen, ich stimme den AGBs nicht zu und gehe. Dazu sind einfach zu viele Kontakte vorhanden.

Mich würde mal interessieren, wie hoch die Zahl derer ist, die durch ein Social Network mal irgendwo in Erklärungsnöte (obwohl man sich ja eigentlich nicht für sein Tun rechtfertigen müsste) oder in eine peinliche Situation gekommen sind, das geht ja mal schnell, eine blöde Grimasse auf einem Bild genügt. Früher haben die Leute auch gefeiert, aber es standen halt keine 18 Möchtegern-Paparazzi herum, die die Bilder gleich in die Welt raushauen. Es weiß halt keiner, wann dir die Daten mal wieder vor die Füße fallen. Das ist das Problem…